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0,20 Euro pro gewaschenem Auto - Entgeld bei Mr. Wash
Durch die Sendung im ZDF "Frontal" vom 12.1.2010 erfuhr die Bochumer Montagsdemo von den skandalösen und sklavenähnlichen Zuständen bei Mr. Wasch, einer bundesweiten Autowaschkette und machte diesen Skandal zum Schwerpunktthema. Einer der Moderatoren berichtete: "Angeblich zahlt der Konzern anstelle von Stundenlöhnen (bei Aushilfskräften) 2 Euro pro gereinigtem Fahrzeug für eine Kolonne in der Autowaschstraße. Eine Kolonne umfasst in der Regel 10 Mitarbeiter, d.h. jeder Mitarbeiter bekommt nur 20 Cent! An Tagen, wo nur wenig Autos gewaschen werden, geht der Beschäftigte buchstäblich mit nur wenigen Cents nach Hause."
"Diese Ausbeutung ist kein Einzelfall", hieß es in einer Wortmeldung, "auch bei der Deutschen Bahn wurden Fremdarbeiter zu Dumpinglöhnen von Leiharbeitsfirmen beschäftigt". Der andere Moderator fuhr fort: "Bei Mr. Wash werden nicht einmal Leiharbeiter beschäftigt, sondern dieses Unternehmen zahlt selber extreme Dumpinglöhne. Die Aussage des Vorstandsvorsitzenden Enning, die festeingestellten Mitarbeiter bekommen einen Basislohn von 900,00 Euro brutto monatlich und "leistungsbezogene Zulagen"(das ZDF berichtete), ist wenig glaubwürdig. Die Firma hatte nicht einmal Arbeitsverträge abgeschlossen, sondern nur Fragebögen vor der Einstellung verteilt. Auf öffentlichen Druck soll es jetzt Arbeitsverträge geben, an den miserablen Arbeitsbedingungen ändert sich jedoch nichts."
Alle Montagsdemonstranten verurteilten die Zustände bei Mr. Wash aufs Schärfste. "Dieses Thema steht auch auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung der Sozialen Liste Bochum", teilte ein Mitglied dieser Wählerinitiative mit und lud alle zur Mitgliederversammlung der Sozialen Liste ein, die direkt nach der Montagsdemo gegen 19.00 Uhr begann.
Auf Vorschlag eines anderen Redners kam der Gedanke auf, demnächst gemeinsam mit anderen Organisationen eine Protestaktion direkt vor der Bochumer Filiale von Mr. Wash an der Herner Str. durchzuführen.
"Solch eine Schweinerei kann nicht unkommentiert bleiben", meinte eine Rednerin.
Die Montagsdemo hatte heute Gäste von der Hannovereanischen und der Cottbuser Montagsdemo. Diese Gäste unterstützen ebenfalls das Vorhaben eines Protestes direkt vor Mr. Wash. "Hartz IV und ein fehlendes Mindestlohngesetz machen erst solche Dumpinglöhne bei z.B. bei Mr. Wash möglich", hieß es in einer weiteren Wortmeldung.
In diesem Zusammenhang schilderte eine Empfängerin des ALG II ihre Erfahrungen mit der ARGE bzw. bei einem Träger. "Ich bin zu 100% Prozent erwerbsunfähig und habe einen Schwerbehindertenausweis. Trotzdem bin ich nach Ansicht der Amtsärzte der ARGE noch für eine Vollzeittätigkeit - wenn auch mit Einschränkungen - geeignet. Ich leide an Rheuma, habe mehrfach Bandscheibenvorfälle gehabt und kann daher weder längere Zeit stehen noch sitzen. Trotzdem wurde ich zu einem Maßnahmeträger "Best Ager" an der Gerberstr. geschickt. Dieses Institut versucht auf Teufel komm raus selbst Kranke in Arbeit zu bringen. Ich sollte dort längere Zeit Vorträge anhören und sagte, dass ich krank bin und nicht so lange sitzen könne. Man warf mir vor, dazu müsste ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Ich erwiderte darauf, sofort zum Arzt zu gehen und die gewünschte Bescheinigung zu besorgen. Nach einigen Meinungsverschiedenheiten drohte ein Mitarbeiter des Instituts mir sogar an, die Polizei zu holen, was jedoch nicht geschah. Dabei ist die Teilnahme bei "Best Ager" nach Angabe der ARGE sogar "freiwillig". Man soll doch endlich die Alten in Ruhe lassen und lieber Arbeitsplätze für junge Erwerbslose schaffen!" Diese Rednerin forderte auch eine Demo vor der ARGE.
Dieser Bericht machte deutlich, wie wichtig der Widerstand gegen die Hartz-Gesetze (am meisten gehasst) ist. "Die bundesweiten Montagsdemos sind ein gutes Beispiel dafür, sich erfolgreich zu wehren", meinte ein Redner, "durch die ständige Öffentlichkeitsarbeit hat der Kampf gegen Hartz IV deutlich zugenommen. Viele trauen sich eher zu Widerspruch und Klage gegen Bescheide der ARGE. Wir denken auch über eine Aktion vor der ARGE Bochum nach".
In Kürze sind (Warn)streiks im öffentlichen Dienst denkbar, da es bisher keinen Fortschritt über die laufenden Tarifverhandlungen gab. Von diesen Streiks sind Einrichtungen wie Kindergärten, städt. Behörden ebenso betroffen wie die Müllabfuhr und der öffentliche Personennahverkehr. "Wenn ich durch diese berechtigten Streiks nicht zur Arbeit komme, wiederrufe ich die Einzugsermächtigung für die Kosten meines Tickets 2000. Streik ist keine höhere Gewalt, deshalb sehe ich nicht ein, Geld an das Verkehrsunternehmen (Bogestra) zu zahlen, wenn Busse und Bahnen nicht fahren", lautete eine Wortmeldung.
Heute kamen mehr Menschen zur Montagsdemo und es gab wieder einen Demozug zur Drehscheibe. Auf der Anschlusskundgebung äußerte sich eine Teilnehmerin der Hannoveranischen Montagsdemo. "Bei uns gibt es immer noch Probleme mit dem Einsatz eines Lautsprechers. Erst ab 50 Personen dürfen wir einen Lautsprecher benutzen. Trotzdem geht der Protest unvermindert weiter". Die Bochumer Montagsdemo fasste einstimmig eine Resolution, die Polizei in Hannover aufzufordern, das "offene Mikrofon" nicht zu behindern und forderte die Aufhebung der schikanösen Auflagen.
Auch die Gesundheitsreform und die Zusatzbeiträge verschiedener Krankenkassen wurden angesprochen. Über die Hintergründe der Kostensteigerung bei den Krankenkassen und die einseitigen unsozialen Zusatzbeiträge soll auf der nächsten Montgsdemo diskutiert werden.
Aktionskreis Bochumer Montagsdemo http://montagsdemo.bochum.myblog.de
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