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Dienstag, den 23. Februar 2010 um 13:09 Uhr

Marler Aktionsbündnis gegen Hartz IV

Montagsdemo Marl beteiligt sich an antifaschistischer Protestaktion in

Recklinghausen*

Die Montagsdemo Marl blieb an diesem Montag von einem weiteren Besuch

faschistischer Banden verschont.

Zur Erinnerung: Montagsdemonstranten hatten sich zusammen mit

Jugendlichen der Antifa, der MLPD und anderen Antifaschisten an einer
spontanen Protestaktion gegen den Naziaufmarsch am 6.2. am Busbahnhof
beteiligt. Mit einem offenen Mikrofon wurde überzeugend entlarvt, dass
es Faschisten waren, die sich unter dem Deckmantel eines angeblichen
"Kinderschutzes" versuchten Menschen zu ködern. Unter dem Faschismus
wurden hunderttausende Kinder in KZs gesteckt und vergast, für
menschenverachtende medizinische Versuche missbraucht; Jugendliche, die
sich wie die Geschwister Scholl im antifaschistischen Widerstand
betätigten wurden ermordet. Die überwiegende Mehrheit der angesprochenen
Passanten war empört darüber, dass die Nazitruppe unter dem Schutz eines
massiven Polizeiaufgebots ihr Unwesen treiben dürfen.
Als Reaktion auf die erfolgreiche Aktion erschien ein Trupp von ca. 15
Faschisten am darauf folgenden Montag bei der Montagsdemo in Hüls und
versuchten zu stören und die Montagsdemonstranten einzuschüchtern. Auch
das ging gründlich daneben. Auch hier wurde mit dem offenen Mikrofon die
Machenschaften aufgedeckt und viele der umliegenden Ladenbesitzer und
Passanten sprachen uns ihre Solidarität aus.

Bei der heutigen Montagsdemo erfuhren wir, dass die NPD in

Recklinghausen kurzfristig und provokativ einen Aufmarsch direkt im
Anschluss an und auf dem selben Platz wie die Montagsdemo
-Recklinghausen angemeldet hatte. Ein Teil der Montagsdemonstranten
entschloss sich deshalb im Anschluss an die Montagsdemo in Marl nach
Recklinghausen zu fahren und sich am antifaschistischen Protest dagegen
zu beteiligen. Es war beeindruckend wie schnell sich hier auch
Montagsdemonstranten aus Herten, die Antifa-Jugend, Mitglieder und
Freunde der Linkspartei und der MLPD, Frauen vom Frauenverband Courage,
eine Bergarbeiterfrau von Kumpel für AUF und viele andere zusammen
fanden. Viele Passanten schlossen sich spontan dem Protest an.
Die klare Botschaft war: *Weder in Recklinghausen noch anderswo ist
Platz für Nazis! Alle faschistischen Organisationen gehören verboten!
*Es ist ein Skandal, dass das nicht längst passiert ist. Nach dem
Potsdamer Abkommen und den alliierten Kontrollratsbeschlüssen, die nach
wie vor gültig sind, sind faschistische Organisationen verboten. Dieses
Verbot kann jederzeit durch die Bundesregierung vollzogen werden. Ein
Parteiverbotsverfahren ist nicht nötig. Stattdessen wird ein
gigantisches Polizeiaufgebot aufgefahren -- ohne das können sich die
Faschisten gar nicht in der Öffentlichkeit blicken lassen -- um diesen
Aufmarsch zu schützen. In Recklinghausen kam auf jeden Nazi mindesten
ein Polizeibus!

Warum das so ist, war eines der Themen am offenen Mikrofon. Der

Hitlerfaschismus wurde 1933 an die Macht gebracht als sich in der
Arbeiterschaft und im Volk eine revolutionäre Entwicklung anbahnte. Es
entwickelte sich eine breite Massenbewegung, die der Abwälzung der
Lasten der Weltwirtschaftskrise von 1929-32 offensiv den Kampf ansagte
und das kapitalistische System in Frage stellte. Die heutige
Weltwirtschaftskrise ist noch um einiges tiefer als damals. Die
Regierung hat Milliarden "Rettungsschirme" für die Banken und Konzern
aufgespannt. Einer muss die Zeche früher oder später zahlen. Wer das
sein soll ist klar: die breite Masse der Bevölkerung. Es ist die Furcht
davor, dass die Menschen sich dagegen erheben. Für diesen Fall werden
die faschistischen Terrorbanden geschützt und z.T. gefördert. Einen
Vorgeschmack dafür war der faschistische Überfall auf die 1.
Mai-Demonstration in Dortmund.

Ein Beitrag hob die Erfahrungen der Arbeiterbewegung im Ruhrgebiet

hervor: 1920 versuchten die Generäle Kapp und Lüttwitz eine
faschistische Diktatur zu errichten um die Errungenschaften der
Novemberrevolution rückgängig zu machen. Ein nationaler Generalstreik
war ein wichtiges Signal dagegen. Die entscheidende Kraft war aber die
Bildung der Roten-Ruhr-Armee; auf der Grundlage einer antifaschistischen
Einheitsfront von Sozialdemokraten und Kommunisten besetzten
zehntausende von bewaffneten Bergleuten das Ruhrgebiet und machten dem
Spuk nach wenigen Tagen ein Ende.

Glückwünsche gingen an die Antifaschisten in Dresden, die den

Naziaufmarsch erfolgreich verhindert haben. Auch wenn das dieses Mal in
Recklinghausen noch nicht gelungen ist, machten die Teilnehmer der
Protestaktion deutlich, dass sie keine Ruhe geben werden bis das Verbot
aller faschistischen Organisationen durchgesetzt ist.